Der Blog zu Fairer Mode, Green Fashion & den Schattenseiten der Textilindustrie

Fairkleidet Der Blog zu Fairer Mode, Green Fashion & den Schattenseiten der Textilindustrie

Mein #haulternative: „Fashion Winner“ – Meine erste Kleidertauschparty

Jaaaa, ich weiß, ich hinke meiner Zeit mal wieder hinterher. Es ist Sommer, der #haulternative schon wieder Geschichte und ich bin Euch einen Artikel schuldig geblieben. Am 24.4. habe ich mächtig meinen Kleiderschrank angebrüllt (weil noch unfaire Teile darin wohnen) und ich habe mir vorgenommen im nächsten Jahr etwas öffentichkeitswirksameres zu machen.

Ganz untätig war ich aber auch nicht: Denn ich war das erste mal bei einer Kleidertauschparty und möchte Euch davon erzählen:

Ich habe am 7. Mai in Köln die Kleidertauschparty und das Nähcafé besucht, die vom Asta und der studentischen Green Office Initiative an der Hochschule Köln organisiert wurde. Hej, meine erste Kleidertauschaktion! Und bestimmt nicht die letze!Veranstaltungsplakat der Kleidertauschparty

Ich habe mir also ein schickes öko-faires Teil aus meinem Schrank geschnappt und rauf aufs Rad. Die Tauschparty fand im Asta Café der Uni statt, so dass ich mich an alte Zeiten erinnert gefühlt habe. Im Cafe standen Tische mit Bekleidung und Kleiderständer, ein DJ-Pult, einige Nähmaschinen, ein Spiegel und natürlich jede Menge Fashion Winner (als Gegensatz zu Fashion Victims), die selbstbestimmt und frei nach den coolsten Teilen suchten! Und das ganz kostenlos!

Es gab Sachen für Männer und Sachen für Frauen, Kleiderständer mit Blusen, Pullover, Röcken und Kleidchen, Tische mit Shirts, Tische mit Handtaschen, ein Regal mit richtig gut erhaltenen Schuhen, ein Tisch mit Acessoires, wie Tüchern und sogar etwas Schmuck. Ach und Hosen, gabs natürlich auch, also eigentlich alles, was man so anziehen muss, damit man aus dem Haus kann.

Bewusst hat sich die Orga-Initiative dafür entschieden, dass auch Menschen Bekleidung mitnehmen dürfen, die nichts zum Tauschen mitgebracht haben. Man möchte mit diesem offenen Konzept, das jede*r, der kommt etwas mitnehmen darf, ein Zeichen für eine andere Ökonomie setzen. Solidarität fernab des Marktes. Sehr gut! Gibt ja auch genug Zeug hier.

Die Atmosphäre ist locker, es läuft entspannte Musik. Die Leute trinken korrekte Limonade und fairen Kaffee oder essen Kuchen. Es braucht schon etwas Überwindung aus der Kabine zu treten mit komplett fremden Sachen. Aber es lohnt sich. Einzelne Teile werden auch im Cafe drübergezogen. Ein grosser Spiegel hilft zu erkennen ob’s passt oder nicht.

Mein Gots-Teil (das lila Oberteil) liegt nun auf einem grossen Haufen, der zwischendurch immer wieder von fleißigen Helfenden aufgeräumt wird. Mal sehen ob mein Teil gleich noch da ist. Meine eigene Aus-beute aus der Tauschkleidung ist riesig! Ich habe fünf Teile mitgenommen und es hätten auch mehr sein können. Es gab richtig coole Sachen. Sofort gefreut hab ich mich als ich ein altes Lieblingsstück entdeckt habe, das bei mir aber leider schon den Geist aufgegeben hatte. Was für ein Glücksgefühl! Das leidige Anprobieren bleibt einem aber auch hier nicht erspart.

Ich hab ’ne coole gelbe Röhrenjeans gefunden, die aber leider etwas zwickt und ich habe weder vor zu hungern, noch mehr Sport zu machen. Aber sie ist echt cool und definitiv ein Teil, das ich sonst im Laden nie angezogen hätte. Gelb und Stretch ist eigentlich beides nicht mein Ding. Warum eigentllich nicht? Denn cool sieht sie schon aus und es ist ein komplett neues Outfit, zusammen mit der Bluse und der schwarzen Open Style Jersey-Jacke mit Fledermausärmeln. Deshalb möchte ich sie schon mitnehmen. Ich kann ja was langes drüber tragen.

Juchu! Ich habe was gefunden und kann nun glücklich nach Hause radeln!

 

Was den Nachhaltigkeitseffekt betrifft, also ökologisch und sozial gesehen, liegt aber auch beim Kleidertausch, wie so oft, der Teufel im Detail.

Drei Kritikpunkte
1. Es gibt insgesamt einen Überfluss an Bekleidung, weshalb ein großer Second Hand Markt existiert. Die Dinge sind fast wertlos, weil wir so viel davon besitzen.
2. Das Weiternutzen von Bekleidung, die nicht ökofair ist, ändert nichts an den miesen Umwelt- und Produktionsbedingungen.
3. Achtung vor dem Rebound-Effekt: Wer Second Hand günstig bekommt, hat Geld für neues zur Verfügung und nutzt dann vielleicht noch mehr Klamotten, statt genügsam zu sein!

Drei Gedanken
1. Kaufe ökofair, aber dafür weniger. Überprüfe Deinen Bedarf, wenn Du neue Dinge anschaffst.
2. Auch beim Kleidertausch sollte man vielleicht eine Spendenbüchse auf freiwilliger Basis, aufstellen. So wird klar, die Dinge haben einen Wert. Das eingenommene Geld, kann Unkosten der Veranstaltung decken oder auch für Initiativen gespendet werden, die sich für einen Wandel in der Mode einsetzen.
3. Die Lebensdauer von Produkten zu verlängern ist sehr sinnvoll, weil Ressourcen eingespart werden. Ein eigener Kleidertausch für ökofaire Sachen ist natürlich das Allerbeste!

Hm, wie immer halt, oder? Solange der Markt nicht gesetzlich in Sachen Nachhaltigkeit geregelt ist, ist alles ein bisschen komliziert.

Ach und, eine Sache noch:

Liebe Mama, Second Hand ist nicht unhygienisch, man kann die Sachen nämlich waschen und ich fürchte mich mehr vor den Stoffen in manchen konventionellen Textilien!

Danke an alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Kleidertauschaktion! (Die übriggebliebenen Kleidungsstücke gingen übrigens an einen caritativen Zweck.)

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.