Der Blog zu Fairer Mode, Green Fashion & den Schattenseiten der Textilindustrie

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Über Klimawandel, Konsum und Flammenwerfer: Wie Laternenstäbe unsere CO2-Bilanz versauen

++++Ausnahmsweise gehts nicht um Mode++++ und es ist länger als gewöhnlich ++++

Artikel, die mit „als ich klein war“ anfangen sind meist so persönlich, dass sie schnell belanglos werden. Aber, I’m so sorry!, ich muss das jetzt wirklich tun! Ich verspreche auch, dass es eine politische Analyse am Ende gibt, die uns alle betrifft. Sie hat etwas mit Konsum, Klimawandel & Elternschaft zu tun. Ich möchte Euch hierzu ein paar meiner Gedanken zur Nachhaltigkeit des Martinsfestes schenken – immerhin gehts beim Martinsfest ja um das Teilen. Ähh, heute gehts übrigens um nachhaltigen Konsum und nicht um Mode….. So jetzt aber:

Als ich noch klein war, hatten wir Fackeln! Es steht ja jetzt wieder die Zeit vor der Tür in der kleine Kinderhände in große Elternhände gelegt werden, Jacke zu, Laternenstab geschnappt und los gehts.

Das Fest zum heiligen Sankt Martin war ein echter Knaller in meiner Kindheit, wir haben viele, viele Stunden damit verbracht schwarzes Tonpapier zu zerschnippeln, mit einem – Achtung (!) – sauscharfen Messer, dann gabs ne Kleberschlacht mit Transparentpapier und die Hosen mussten dannach immer in die Wäsche. Am Ende aber hatte man eine richtig, coole Laterne. Aber die Laternen hießen bei uns gar nicht Laternen, sondern wurden nur „Fackeln“ genannt. Weil sie – Achtung heiss (!!) – mit echten – Achtung Feuer (!!!) – Kerzen bestückt waren.

Und heute?

Heute ist meine Hand die Große und es hat sich sehr, sehr viel verändert seit damals. Circa vier Wochen vor dem Martinsfest findet man in sämtlichen Super-, Drogerie- und Billig-billig-läden kurze oder lange Stöcke aus buntem Plastik hängen. Sie sind mal mit Glitzer, mal mit Blinkfunktion, mal leuchtet das ganze Stromkabel, mal leuchten sie mit Lämpchen in bunt oder weiß und mal mit LED-Technik. Einige sind sogar teleskopmäßig ausfahrbar. Allen gemeinsam aber ist, dass sie sehr, sehr günstig zu haben sind. Online findet man sie ab einem Preis von nur 1,49€ – Zumeist sind keine Batterien in der Verpackung, die muss man noch extra kaufen.

Fehlt noch was? Klar, die Laterne. „Oh, guck mal, schon wieder eine Kita-Gruppe mit PET-Flaschen für die Laterne!“ – „Ja! Das sieht doch super aus.“ Und es gibt verdammt viele kreative Ideen was man aus den Dingern machen kann, eine Maus, einen Maulwurf,….. ich glaube es gibt kein Tier, dass man nicht aus einer PET-Flasche machen kann. Mir macht das Bekleben und die Kleisterschlacht doch auch voll viel Spaß und grad für die Minis ist das easy…. aber – Leute! Das geht doch so nicht weiter!

Na gut, jetzt haben wir: Laternenstab (aus PLASTIK) und eine Laterne (aus PLASTIK), dann gehts los. Jacke zu, Mütze anziehen (gar nicht mehr so kalt wie früher zu meiner Zeit). Händchen nehmen, laufen, singen. Dann: Laterne entsorgen ohne Gefühle zu verletzen, Batterien aus dem Laternenstab und einmotten bis zum nächsten Jahr.

Einmotten? Denkfehler? Denkfehler!

Die meisten Eltern mit denen ich gesprochen habe, schmeissen die Laternenstäbe einfach weg, weil sie ja so billig sind. Da lohnt es sich nicht, sie aufzuheben. Viele haben mir erzählt, dass sie auch total häufig superschnell kaputt gehen, Kabel-Wackel, Birnchen kaputt. Die Kinder haben halt mit vollem Körpereinsatz den Laternenzug bewältigt, da wackelt der Stock und die Laterne oft ganz schön hin und her, klar. Übrigens habe ich oft den Plastik-Laternenstab eingemottet und er hat zwar das Jahr im Keller gut überstanden, aber dann hat er oft trotzdem nicht mehr funktioniert.

Und damals, als ich klein war? Hatten wir Laternenstäbe aus Holz, Laternen aus Papier oder aus Futterrüben. Also, hier ist ein deutlicher Unterschied in Sachen Nachhaltigkeit- Früher waren es eher nachwachsende Rohstoffe, heute Erdöl-basierte, endliche.

Und: In meiner Papp-Laterne waren echte Kerzen! Heutzutage für viele Eltern eine total abwegige Vorstellung. Da ist dann ja Feuer drin, dass ist dann ja heiss, da kann man sich ja die Pfoten verbrennen. Oder schlimmeres. Ich damals vor Jahrzehnten musste selbst aufpassen, dass die Papier-Laterne nicht abfackelt. Ich war unglaublich stolz und die Flamme sehe ich heute noch vor mir, wie sie flackert, wie das auch riecht und mir ist nie eine Laterne abgebrannt. Auch wenn alle Kinder genau das eigentlich unbedingt mal erleben wollten – aber am besten bei einem Nachbarskind.

Fotos: Willnecker

Noch etwas ist verschwunden: Der Brauch Futterrüben auszuhölen, hatte in der Region in der ich aufgewachsen bin, eine lange Tradition. Die Rüben wurden von den Bauern als Winterfutter für Kühe und Schweine angebaut, aber da sich die kleinbäuerliche Haltung nicht gegen die Transformation zur Agrarindustrie behaupten konnte, gibt es das heute so gut wie nicht mehr. Die Rüben hat man dann im Herbst oder eben zu Sankt Martin ausgehölt und ehrlich – sie sehen viel, viel gruseliger aus, als so mancher Halloween Kürbis, weil sie so individuell wachsen. Man kann ihnen auch einen Wattebart ankleben. Es ist schön, dass es heute Menschen gibt, die diese Tradtion in ihren eigenen Gärten oder im Gartenverein wieder aufnehmen. Herzlichen Dank an dieser Stelle für die Erlaubnis die Rüben-Bilder zu zeigen. In der Region, in der diese Rüben heute noch geschnitzt werden, heissen sie übrigens „Rummelbootze“ – Rübengeister.

Ja und, was hat das jetzt mit dem Klimwawandel zu tun?

Ein großes Dilemma in der Diskussion um Kohlendioxid (CO2 ) und Klimawandel ist, dass fast jede/r den man fragt, dafür ist, dass Klimaschutz wichtig ist, dass die Länder des Nordens (die den Großteil CO2 emittieren) ihre Wirtschaft transformieren müssen, damit die Klimafolgen nicht die Menschen (vorrangig) in den Ländern des Südens so hart treffen. Kein Mensch mit Herz, will dafür verantwortlich sein, wenn sich Tropenstürme mehren, Menschen Haus und Hof verlieren, die Pumpe vom Golfstrom ihren Dienst aufgibt oder regionales Saatgut nicht mehr dem regionalen Klima entspricht, die Ernährungssicherheit also nicht mehr gewährleistet ist.

Ich habe leider keine Statistik gefunden, wieviel Laternenstäbe jedes Jahr in Deutschland verkauft werden. Und wie die Entwicklung seit den 1980er Jahren war. Fest steht aber augenscheinlich: Es hat eine komplette Veränderung stattgefunden, die sich als Teil der Wegwerf- und Konsumgesellschaft in unseren Alltag einfügt. Und das ohne, dass sie laut und regelmäßig hinterfragt wird. Über Konsum und den ökologischen Fussabdruck den jede/r einzelne von uns hat und wir volkswirtschaftlich als VerbraucherInnen alle zusammen, gibt es viel zu schreiben und zu sagen. Zum Beispiel dass unser Konsum ein sehr wichtiger Baustein in unserem gesamten Treibhausgas- Ausstoß ist, weil ja jedes Produkt, das gekauft und weggeworfen wird, ein CO2-Paket auf seinem Rücken trägt. Aber das ist ein neuer Artikel und das Thema bleibt uns allen erhalten.

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Ein Holzstab, ein Teelicht! It can change your mind!

Die ökologischen Auswirkungen, wenn man aus Klimaschutzgründen den Konsum von Laternenstäben auf Nachhaltigkeit umstellt, ist sicherlich erstmal klein. Es ist kein „Big Point“, wie es z.B. wäre, wenn wir alle auf Flugreisen verzichten würden. Ein Holzstab und eine Kerze retten uns nicht die verkorkste Kohlendioxid-Bilanz.

Trotzdem finde ich, dass es eine wichtige Drehschraube  in unserem Denken sein kann. Ein Holzstab ist ein HOLZSTAB! Der kann nachwachsen, braucht keine Elektrizität und kann viele Jahre verwendet werden! Wir alle sollten anfangen, neue Lösungen zu finden, für unseren Alltag. Wir brauchen ein neues Denken oder ein altes, je nachdem, wie man es sieht. Ja klar, macht die Politik was. Aber wir müssen auch was tun. Ich habe einfach auch schlichtweg keine Lust mehr, jedes Jahr Geld auszugeben für ein Schrott-Produkt, zumal ich auch noch der Überzeugung bin, dass echte Kerzen einfach mehr Lebensqualität bieten.

Trauen wir den Kindern ruhig was zu: eine Kerze, ist eine Kerze, ist eine Kerze: Kein Flammenwerfer. Wenn es denn eine echt sichere Variante sein soll, weil die Lütten noch zu kurz sind, dann ist vielleicht ein LED-Teelicht sinnvoller, das verschleisst nicht so schnell und macht genauso super helles Licht, wie ein elektrischer Laternenstab. Spart aber viel Plastik ein und hält wie gesagt länger, ausserdem kann man dann einen Holzstock kaufen, der dann auch länger hält und noch verwendet werden kann, wenn das Kind groß genug ist mit Kerze zu laufen.

Für dieses Jahr kommen meine Ideen sicherlich für die meisten von Euch zu spät. Wenn dann nächstes Jahr Euer elektrischer Laternenstab kaputt ist, denkt ihr vielleicht „ah, da gabs doch mal was auf fairkleidet, oder?“

Love your Weckmann!
Eure Elke

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