Photoszene meets Agrocapitalism – Piovano Ausstellung „Landwirtschaft der Gifte“ in Köln

Buch "The Human Cost of Agrotoxins"

Wenn ich an Veranstaltungen teilnehme, nehme ich in der Regel das Buch „The Human Cost of Agrotoxins“ als Ansichtsexemplar mit. Es ist ein Dokumentationsband des Fotografen Pablo E. Piovano, der mit einer unglaublichen Ästhetik in seinen Bildern die Betrachter fesselt. Es ist die Ästhetik des Grauens.

Buch "The Human Cost of Agrotoxins"
Mein Exemplar des Buches von Pablo Piovano

Piovano, der als Photojournalist in Buenos Aires lebt, dokumentierte in seinem Bildband die Folgen des Einsatzes von Agrarchemikalien im ländlichen Nordosten Argentiniens und zeigt die katastrophalen Auswirkungen auf Menschen und Natur auf. In meinem Blogbeitrag „Fast Fashion, Fast Destruction?“ , habe ich Euch im Sommer 2017 bereits schon einmal auf sein Werk aufmerksam gemacht. Mit Pestiziden beschäftige ich mich immer wieder, weil für mich der massive Einsatz von Pestiziden in der Baumwollindustrie, eine der Grundbedingungen des ökologisch und sozial katastrophalen Fast-Fashion-Prinzips ist.

„Landwirtschaft der Gifte“ Ausstellung im Rahmen des Internationale Photoszene Festivals

Zur Zeit findet in Köln das inspririende Festival Internationale Photoszene Köln statt, das vom 3. – 10. Mai mit zahlreichen spannenden Ausstellungen Besucher an den Rhein zieht. Die Foto-Ausstellung „Landwirtschaft der Gifte“, die auf Piovanos Bildband „The Human Cost of Agrotoxins“ basiert, ist sogar noch darüber hinaus bis zum 20. Mai in Köln zu sehen. Zu finden ist die Ausstellung in den Kunsträumen der Michael Horbach Stiftung. Öffnungszeiten und Infos über das weitere Rahmenprogramm finden sich untenstehend. Ein kurzes Video auf Arte zeigt Bilder der Ausstellung.

Wer die Piovano Ausstellung sieht, verlangt nach einer neuen Realität

Der Kehrer Verlag, in dem das Buch 2017 erschienen ist, stellt den Hintergrund des Werks von Piovano sehr eindrücklich dar:

„1996 genehmigte die argentinische Regierung den Anbau transgener Sojabohnen und den Einsatz von Glyphosat-Herbiziden auf genetisch modifizierten Nutzpflanzen, wobei sie sich ausschließlich auf Studien der Firma Monsanto verließ. Nach fast zwei Jahrzehnten, in denen ein Drittel der Landesbevölkerung direkt oder indirekt von Glyphosat- Spritzmitteln betroffen war, ist Argentinien zu einer Feldstudie für Giftkatastrophen geworden. Hunderte wissenschaftlicher Studien und medizinischer Untersuchungen bestätigen die tödlichen Wirkungen des Unkrautvernichtungsmittels: Die Krebsrate bei Kindern hat sich verdreifacht, die Häufigkeit von Fehlgeburten und Geburtsschäden mit ungeklärter Ursache ist dramatisch angestiegen. Atemwegs- und Hautkrankheiten, geistige Behinderungen sind nur einige der nachgewiesenen gesundheitlichen Auswirkungen auf die Menschen, die im Bereich der Spritzmittel leben. Trotz dieser unbequemen Wahrheit hat es bisher keinerlei systematische Information von offizieller Seite gegeben.“

Quelle: Kehrer Verlag

Die Arbeit Pablo Piovanos ist preisgekrönt: Er erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, u.a. beim Festival Internacional de la Imagen in Mexiko, den International Photography Awards, den internationalen Fotojournalismus-Preises von Days Japan sowie den Nachhaltigkeitspreis beim LUMIX Festival für jungen Fotojournalismus in Hannover. Seine Bilder sind ausdrucksstark und wer sie sieht, vergisst sie nicht. Das Gesehene ändert die Sichtweise und lässt das Bedürfnis nach anderen Lösungen im Betrachter entstehen – das ist das Besondere am künstlerischen Werk Piovanos. Klar wird, dass neue ökologische und soziale Strukturen  in der Landwirtschaft wünschenswert sind, die eine andere, eine bessere Realität möglich machen.

Glyphosat – Das Thema ist auch in Europa brandaktuell

„Über eine Million Menschen unterschrieben 2017 in der EU eine Petition gegen die EU-Neuzulassung einer Chemikalie, die höchstwahrscheinlich mit Krebs, Geburtsdefekten und Fortpflanzungsschäden im Zusammenhang steht. Es geht um den Schutz der Umwelt und der Gesundheit der Menschheit. Ende 2017 stimmte die EU-Kommission dennoch für die weitere Nutzung des Pestizids – zumindest für fünf Jahre. Neun Staaten votierten dagegen. Deutschlands damaliger Agrarminister Schmidt (CDU) entschied sich – entgegen des politischen Konsenz mit dem Umweltministerium – im Alleingang für die Weiternutzung.“

Quelle: Michael Horbach Stiftung

Welcher Politologe denkt bei solchen Alleingängen nicht an Colin Crouch und seinen Ansatz der Postdemokratie? Gott sei Dank, gibt es ein Rahmenprogramm zur Ausstellung, dass Menschen aktivieren kann Lösungsansätze zu sehen und aktiv von der Politik und auch der Wirtschaft einzufordern.

Ziel: Eine Wirtschaft, die Lebensgrundlagen erhält, statt zu verbrauchen

Mein Fazit ist: Die Piovano Ausstellung ist Mahnung und Auftrag zugleich, dass es gelingt, zukunftsfähige Wirtschaftsweisen anzuwenden, die Menschenrechte und natürliche Lebensgrundlagen befördern, statt zu missachten.

Zahlreiche Förderer und Kooperationspartner unterstützten neben der Michael Horbach Stiftung die Ausstellung und das spannende Rahmenprogramm. Weitere Infos hierzu folgen, weil hierzu noch Daten fehlen. Ihnen allen an dieser Stelle schon einmal einen herzlichen Dank, dass diese Ausstellung nun in Köln gezeigt werden kann.

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Rahmenprogramm

Donnerstag, 09. Mai 2019, 18.30 Uhr Podiumsdiskussion zum Thema Pestizide

Podiumsdiskussion ‘Pestizide im Einsatz‘  – Internationale Debatten um Glyphosat, Roundup & Co

Pestizide sind heutzutage nicht nur auf unseren Feldern und in Lebensmitteln nachzuweisen, sondern auch in unseren Körpern. Welche Auswirkungen der Einsatz der Wirkstoffe auf Mensch und Natur hat, wird derzeit kontrovers debattiert. In der Podiumsdiskussion sprechen wir mit Vertreter*innen verschiedener Organisationen, die sich kritisch mit der Thematik auseinandersetzen. Zudem wollen wir Ansätze für eine sozial und ökologisch verträgliche Landwirtschaft darstellen.

mit:
–Jutta Staffler – Agronomin, Eurac Research Bozen
–Alan Tygel – Permanente Kampagne gegen Agrargifte und für das Leben, Brasilien
–Sarah Schneider – Referentin für Landwirtschaft und Welternährung bei Misereor
–Peter Clausing – Toxikologe, Pestizid- und Aktionsnetzwerk Deutschland (PAN)
–Simon Rau – European Centre for Constitutional and Human Rights (ECCHR)

Moderation: Selina Bölle, Freie Journalistin

Im Anschluss offener Austausch, Essen & Musik.
Eintritt frei. Spende erwünscht.

Im Rahmen des Projekts „MAIZ – Ernährungssouveränität in Zeiten der Globalisierung“ von treemedia e.V.
Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Umwelt & Entwicklung Nordrhein-Westfalen, Engagement Global mit Mitteln des BMZ

in Kooperation mit Misereor, PAN, ECCHR, Freundschaftsverein Amigos do MST

Freitag, 10. Mai 2019, 18.30 Uhr Filmvorführung & Diskussion – Das Wunder von Mals

Filmvorführung „Das Wunder von Mals“ mit anschließendem Gespräch
Mit Jutta Staffler, Agronomin und Anwohnerin der Gemeinde Mals

Ganz Südtirol wird von Apfelmonokulturen überrollt und in Pestizidwolken gehüllt? Nein? Ein kleines Dorf im Oberen Vinschgau leistet den Eindringlingen bis heute Widerstand …
Eine spannende Dokumentation über den Malser Weg, raus aus dem übermäßigen Einsatz von Pestiziden, hin zu einer gesünderen Landwirtschaft. Eine ganze Gemeinde kämpft gemeinsam.

Mehr Informationen:
www.wundervonmals.com
www.treemedia.org

Eintritt frei. Spende erwünscht.
Vertrieb über Real Fiction Filmverleih

Im Rahmen des Projekts <MAIZ – Ernährungssouveränität in Zeiten der Globalisierung> von treemedia e.V.
Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Umwelt & Entwicklung Nordrhein-Westfalen, Engagement Global mit Mitteln des BMZ

Donnerstag, 16. Mai 2019, 18.30 Uhr Eröffnung des Symposiums ‚Sustainable agriculture? From Theory to Action‘

Informationsabend & Gespräch „Die Welt auf dem Teller? Globale Herausforderungen der Landwirtschaft
mit Steffi Holz, Agrarkoordination

Die Weltbevölkerung soll bis 2050 auf 10 Milliarden
Menschen anwachsen. Die industrielle Landwirtschaft tritt
an „die Welt zu ernähren“ und facht gleichzeitig Klimawandel und Hunger an. Jahrhundertaltes Wissen um diverse
Anbaumethoden und Saatgutvielfalt sind bedroht. Wie kann unter den derzeitigen Bedingungen das Lebensmittel-
& Agrarsystem sozial und ökologisch nachhaltig gestaltet
werden? Wie können Ernährungssouveränität und -sicherheit gewährleistet werden kann? Welchen Einfluss haben
Verbraucher*innen und warum ist auch in Europa eine
hAgrarwende so dringend nötig?

Über diese Fragen wollen wir mit Steffi Holz von der
Agrarkoordination diskutieren.

Moderation: Santiago Penedo, treemedia e.V.

Interessierte sind herzlich eingeladen.
Eintritt frei, Spende erwünscht

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Öffnungszeiten der Foto-Ausstellung „Landwirtschaft der Gifte“ von Pablo E. Piovano

Immer Mittwoch & Freitag 15.30 – 18.30 Uhr & Sonntag 11 – 14 Uhr und auf Anfrage Themen- & Filmabende rund um das Thema : Mittwoch, 01.Mai 2019 Vernissage von 11 – 14 Uhr

Adresse:

Kunsträume der Michael Horbach Stiftung
Wormser Str. 23
50677 Köln
Neustadt-Süd

Weitere Infos & Quellen:

Festival Photoszene Köln

Michael Horbach Stiftung

Hintergrundinfos zu Glyphosat vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

Website des Kehrer Verlags, in dem Piovanos Buch erschienen ist