Der Blog zu Fairer Mode, Green Fashion & den Schattenseiten der Textilindustrie

Blog: Faire Mode, Green Fashion & Schattenseiten der Textilindustrie


600 erkrankte Arbeiter und Massenhysterie

Erstaunlich, dass sich Anfang Juni in Bangladesch eine massenhafte Erkrankungswelle von FabrikarbeiterInnen ereignete. Bis zu 600 Menschen wurden so krank, dass sie in verschiedenen Krankenhäusern behandelt werden mussten.  Als Ursache für ihre Übelkeit wurde das Wasser der Fabrik der Firma Starlight Sweaters angesehen, das verschmutzt oder – so der von Gewerkschaftsseite geäußerte Verdacht – absichtlich mit Pestiziden verseucht worden war.

Erstaunlicher noch, dass diese AFP-Meldung (Agence France Press, Quelle hier) von deutschen professionellen Medien und Blogs relativ unbeachtet blieb. Man könnte fast vermuten, dass das Thema Bangladesch nicht schon wieder in die Medien sollte, war doch die deutsche Öffentlichkeit gerade beruhigt, aufgrund der Versprechen der westlichen Textilindustrie, alles werde besser, die aufgrund des öffentlichen Drucks nach dem katastrophalen Einsturz des Rana Plaza, gemacht wurden.

Behörden in Bangladesch: Keine Pestizide im Trinkwasser – nein: Massenhysterie

Noch erstaunlicher ist die Auflösung des Dramas, die von behördlicher Seite aus gemeldet wurde und nun über die Ticker der (ausländischen) Presse liefen.  Das Wasser sei vollkommen in Ordnung gewesen heißt es, vielmehr wären die Menschen dem Phänomen der Massenhysterie verfallen.

Massenhysterie? Was ist das denn?

Erbrechen und Übelkeit können offenbar auch psychologisch ansteckend sein, so die Erklärung. Dieses Phänomen wird als psychische Reaktion auf die Katastrophe im April gewertet. Himmel, wie verunsichert müssen die Menschen sein, wenn es tatsächlich so ist. Mit wieviel Angst geht jemand zur Arbeit, wenn er davon das Kotzen kriegt? Übrigens gab es vor vier Tagen einen erneuten Fall dieser Art, bei dem 450 Arbeiterinnen und Arbeiter betroffen waren.

Ich glaub, mir wird übel.