Der Blog zu Fairer Mode, Green Fashion & den Schattenseiten der Textilindustrie

Blog: Faire Mode, Green Fashion & Schattenseiten der Textilindustrie


Über Klimawandel, Konsum und Flammenwerfer: Wie Laternenstäbe unsere CO2-Bilanz versauen

++++Ausnahmsweise gehts nicht um Mode++++ und es ist länger als gewöhnlich ++++

Artikel, die mit „als ich klein war“ anfangen sind meist so persönlich, dass sie schnell belanglos werden. Aber, I’m so sorry!, ich muss das jetzt wirklich tun! Ich verspreche auch, dass es eine politische Analyse am Ende gibt, die uns alle betrifft. Sie hat etwas mit Konsum, Klimawandel & Elternschaft zu tun. Ich möchte Euch hierzu ein paar meiner Gedanken zur Nachhaltigkeit des Martinsfestes schenken – immerhin gehts beim Martinsfest ja um das Teilen. Ähh, heute gehts übrigens um nachhaltigen Konsum und nicht um Mode….. So jetzt aber:

Als ich noch klein war, hatten wir Fackeln! Es steht ja jetzt wieder die Zeit vor der Tür in der kleine Kinderhände in große Elternhände gelegt werden, Jacke zu, Laternenstab geschnappt und los gehts.

Das Fest zum heiligen Sankt Martin war ein echter Knaller in meiner Kindheit, wir haben viele, viele Stunden damit verbracht schwarzes Tonpapier zu zerschnippeln, mit einem – Achtung (!) – sauscharfen Messer, dann gabs ne Kleberschlacht mit Transparentpapier und die Hosen mussten dannach immer in die Wäsche. Am Ende aber hatte man eine richtig, coole Laterne. Aber die Laternen hießen bei uns gar nicht Laternen, sondern wurden nur „Fackeln“ genannt. Weil sie – Achtung heiss (!!) – mit echten – Achtung Feuer (!!!) – Kerzen bestückt waren.

Und heute?

Heute ist meine Hand die Große und es hat sich sehr, sehr viel verändert seit damals. Circa vier Wochen vor dem Martinsfest findet man in sämtlichen Super-, Drogerie- und Billig-billig-läden kurze oder lange Stöcke aus buntem Plastik hängen. Sie sind mal mit Glitzer, mal mit Blinkfunktion, mal leuchtet das ganze Stromkabel, mal leuchten sie mit Lämpchen in bunt oder weiß und mal mit LED-Technik. Einige sind sogar teleskopmäßig ausfahrbar. Allen gemeinsam aber ist, dass sie sehr, sehr günstig zu haben sind. Online findet man sie ab einem Preis von nur 1,49€ – Zumeist sind keine Batterien in der Verpackung, die muss man noch extra kaufen.

Fehlt noch was? Klar, die Laterne. „Oh, guck mal, schon wieder eine Kita-Gruppe mit PET-Flaschen für die Laterne!“ – „Ja! Das sieht doch super aus.“ Und es gibt verdammt viele kreative Ideen was man aus den Dingern machen kann, eine Maus, einen Maulwurf,….. ich glaube es gibt kein Tier, dass man nicht aus einer PET-Flasche machen kann. Mir macht das Bekleben und die Kleisterschlacht doch auch voll viel Spaß und grad für die Minis ist das easy…. aber – Leute! Das geht doch so nicht weiter!

Na gut, jetzt haben wir: Laternenstab (aus PLASTIK) und eine Laterne (aus PLASTIK), dann gehts los. Jacke zu, Mütze anziehen (gar nicht mehr so kalt wie früher zu meiner Zeit). Händchen nehmen, laufen, singen. Dann: Laterne entsorgen ohne Gefühle zu verletzen, Batterien aus dem Laternenstab und einmotten bis zum nächsten Jahr.

Einmotten? Denkfehler? Denkfehler!

Die meisten Eltern mit denen ich gesprochen habe, schmeissen die Laternenstäbe einfach weg, weil sie ja so billig sind. Da lohnt es sich nicht, sie aufzuheben. Viele haben mir erzählt, dass sie auch total häufig superschnell kaputt gehen, Kabel-Wackel, Birnchen kaputt. Die Kinder haben halt mit vollem Körpereinsatz den Laternenzug bewältigt, da wackelt der Stock und die Laterne oft ganz schön hin und her, klar. Übrigens habe ich oft den Plastik-Laternenstab eingemottet und er hat zwar das Jahr im Keller gut überstanden, aber dann hat er oft trotzdem nicht mehr funktioniert.

Und damals, als ich klein war? Hatten wir Laternenstäbe aus Holz, Laternen aus Papier oder aus Futterrüben. Also, hier ist ein deutlicher Unterschied in Sachen Nachhaltigkeit- Früher waren es eher nachwachsende Rohstoffe, heute Erdöl-basierte, endliche.

Und: In meiner Papp-Laterne waren echte Kerzen! Heutzutage für viele Eltern eine total abwegige Vorstellung. Da ist dann ja Feuer drin, dass ist dann ja heiss, da kann man sich ja die Pfoten verbrennen. Oder schlimmeres. Ich damals vor Jahrzehnten musste selbst aufpassen, dass die Papier-Laterne nicht abfackelt. Ich war unglaublich stolz und die Flamme sehe ich heute noch vor mir, wie sie flackert, wie das auch riecht und mir ist nie eine Laterne abgebrannt. Auch wenn alle Kinder genau das eigentlich unbedingt mal erleben wollten – aber am besten bei einem Nachbarskind.

Fotos: Willnecker

Noch etwas ist verschwunden: Der Brauch Futterrüben auszuhölen, hatte in der Region in der ich aufgewachsen bin, eine lange Tradition. Die Rüben wurden von den Bauern als Winterfutter für Kühe und Schweine angebaut, aber da sich die kleinbäuerliche Haltung nicht gegen die Transformation zur Agrarindustrie behaupten konnte, gibt es das heute so gut wie nicht mehr. Die Rüben hat man dann im Herbst oder eben zu Sankt Martin ausgehölt und ehrlich – sie sehen viel, viel gruseliger aus, als so mancher Halloween Kürbis, weil sie so individuell wachsen. Man kann ihnen auch einen Wattebart ankleben. Es ist schön, dass es heute Menschen gibt, die diese Tradtion in ihren eigenen Gärten oder im Gartenverein wieder aufnehmen. Herzlichen Dank an dieser Stelle für die Erlaubnis die Rüben-Bilder zu zeigen. In der Region, in der diese Rüben heute noch geschnitzt werden, heissen sie übrigens „Rummelbootze“ – Rübengeister.

Ja und, was hat das jetzt mit dem Klimwawandel zu tun?

Ein großes Dilemma in der Diskussion um Kohlendioxid (CO2 ) und Klimawandel ist, dass fast jede/r den man fragt, dafür ist, dass Klimaschutz wichtig ist, dass die Länder des Nordens (die den Großteil CO2 emittieren) ihre Wirtschaft transformieren müssen, damit die Klimafolgen nicht die Menschen (vorrangig) in den Ländern des Südens so hart treffen. Kein Mensch mit Herz, will dafür verantwortlich sein, wenn sich Tropenstürme mehren, Menschen Haus und Hof verlieren, die Pumpe vom Golfstrom ihren Dienst aufgibt oder regionales Saatgut nicht mehr dem regionalen Klima entspricht, die Ernährungssicherheit also nicht mehr gewährleistet ist.

Ich habe leider keine Statistik gefunden, wieviel Laternenstäbe jedes Jahr in Deutschland verkauft werden. Und wie die Entwicklung seit den 1980er Jahren war. Fest steht aber augenscheinlich: Es hat eine komplette Veränderung stattgefunden, die sich als Teil der Wegwerf- und Konsumgesellschaft in unseren Alltag einfügt. Und das ohne, dass sie laut und regelmäßig hinterfragt wird. Über Konsum und den ökologischen Fussabdruck den jede/r einzelne von uns hat und wir volkswirtschaftlich als VerbraucherInnen alle zusammen, gibt es viel zu schreiben und zu sagen. Zum Beispiel dass unser Konsum ein sehr wichtiger Baustein in unserem gesamten Treibhausgas- Ausstoß ist, weil ja jedes Produkt, das gekauft und weggeworfen wird, ein CO2-Paket auf seinem Rücken trägt. Aber das ist ein neuer Artikel und das Thema bleibt uns allen erhalten.

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Ein Holzstab, ein Teelicht! It can change your mind!

Die ökologischen Auswirkungen, wenn man aus Klimaschutzgründen den Konsum von Laternenstäben auf Nachhaltigkeit umstellt, ist sicherlich erstmal klein. Es ist kein „Big Point“, wie es z.B. wäre, wenn wir alle auf Flugreisen verzichten würden. Ein Holzstab und eine Kerze retten uns nicht die verkorkste Kohlendioxid-Bilanz.

Trotzdem finde ich, dass es eine wichtige Drehschraube  in unserem Denken sein kann. Ein Holzstab ist ein HOLZSTAB! Der kann nachwachsen, braucht keine Elektrizität und kann viele Jahre verwendet werden! Wir alle sollten anfangen, neue Lösungen zu finden, für unseren Alltag. Wir brauchen ein neues Denken oder ein altes, je nachdem, wie man es sieht. Ja klar, macht die Politik was. Aber wir müssen auch was tun. Ich habe einfach auch schlichtweg keine Lust mehr, jedes Jahr Geld auszugeben für ein Schrott-Produkt, zumal ich auch noch der Überzeugung bin, dass echte Kerzen einfach mehr Lebensqualität bieten.

Trauen wir den Kindern ruhig was zu: eine Kerze, ist eine Kerze, ist eine Kerze: Kein Flammenwerfer. Wenn es denn eine echt sichere Variante sein soll, weil die Lütten noch zu kurz sind, dann ist vielleicht ein LED-Teelicht sinnvoller, das verschleisst nicht so schnell und macht genauso super helles Licht, wie ein elektrischer Laternenstab. Spart aber viel Plastik ein und hält wie gesagt länger, ausserdem kann man dann einen Holzstock kaufen, der dann auch länger hält und noch verwendet werden kann, wenn das Kind groß genug ist mit Kerze zu laufen.

Für dieses Jahr kommen meine Ideen sicherlich für die meisten von Euch zu spät. Wenn dann nächstes Jahr Euer elektrischer Laternenstab kaputt ist, denkt ihr vielleicht „ah, da gabs doch mal was auf fairkleidet, oder?“

Love your Weckmann!
Eure Elke


2 Kommentare

Wow: Eco Fashion Week in Vancouver! und Pfui: Doku-Film „RiverBlue“ über den wahren Preis der Mode

Auf, auf zur Eco Fashion Week in Vancouver, dem nach eigenen Angaben weltweit größten Event über Sustainable Fashion. Ansehnlich sind die gezeigten Labels und Designs auf jeden Fall! Wer also auf der Suche nach inspirierenden Ansichten zum Thema Grüne Mode ist, ist hier genau richtig. Man muss ja nicht gleich hinfligen, sondern kann auch mal vorbei surfen… Green Fashion bedeutet ja, dass wir uns alle auf die Suche nach mehr Verantwortung und Nachhaltigkeit im Umgang mit Ressourcen und Menschen in der Mode-Industrie machen.

Einen wichtigen Beitrag hierzu könnte der brandneue Dokumentar-Film RiverBlue leisten. Er zeigt wie barbarisch wir derzeit mit unseren Ressourcen und den Menschen umgehen, die Kleider nähen, Leder gerben und an Flüssen in Regionen leben, in denen Textilien hergestellt werden.

Ich werde mal hören, wann er nach Europa kommen soll.

So long, love your clothes and respect your nature!
Eure Elke


Ein Kommentar

Zwei Jahre ohne Fairkleidet?!

Wow, wie rasant die Zeit vergeht! Zwei Jahre ohne Fairkleidet? Zwei ganze Jahre? Unfassbar, was ich gemacht hab? Ich war auf der Insel…

In diesem Sinne, Euch allen erstmal ein „Welcome back“ und genießt den Sommer. Ich werde versuchen, Euch regelmäßig hier in meinem Blog die interessanten News zum Thema ökofaire Mode zu posten.

Und los geht’s:

Vieles steht grad natürlich ganz im Zeichen der Fashion Week in Berlin:

Berliner Zeitung: Fashion Week Greenshowroom-Gründern Magdalena Schaffrin im Interview

„Berlin ist nicht Paris – diese Erkenntnis begleitet die Fashion Week als Dauer-Litanei. Berlin ist allerdings auch etwas, was Paris nicht ist: nämlich internationale Plattform in puncto grüne Mode. Diese Bühne hat Magdalena Schaffrin, ursprünglich selbst Modedesignerin, der Stadt geschaffen. Sie hat den Greenshowroom gegründet und ist Creative Director der Ethical Fashion Show.

Eins mal vorweggenommen: Wie  soll man das Ganze eigentlich am besten nennen – grüne Mode, faire Mode, Eco-Mode, Slow Fashion?

Wenn ich von fairer Mode rede, meine ich auch immer die ökologisch und sozialverträgliche Mode. Wenn ich von grüner Mode spreche, sind die Sozialaspekte natürlich auch dabei. Ich möchte dazu übergehen, von qualitätsvoller Mode zu sprechen. Denn ökologische und soziale Aspekte sind ein Teil des Qualitätsbegriffs. Ein qualitätvolles Produkt kann nun mal einfach nicht von Kinderhand hergestellt oder mit Giftstoffen versehen sein.“

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Bayern3: Ein Interview mit Fair-Fashion-Expertin Mimi Sewalski

„Wer Wert auf ökologische und fair produzierte Kleidung legt und dabei noch gut aussehen will, hatte lange ein Problem. Zum Glück gibt’s heute stylische Modelabels, denen Mensch und Umwelt am Herzen liegen. Fair-Fashion-Expertin Mimi Sewalski kennt die echten Alternativen: faire Mode, die nicht nach Kartoffelsack und Staubschicht aussieht.“

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evangelisch.de: TransFair gewinnt Partner für nachhaltige Textilproduktion

„Der Verein „TransFair Deutschland“ hat erste Textilfirmen für eine Zusammenarbeit zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen gewonnen. Einige westliche Unternehmen beteiligten sich am sogenannten Textilstandard für die gesamte Lieferkette, teilte der Verein am Dienstag in Berlin mit.“

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Bleibt zu hoffen, dass die Shirts dann nicht im Discounter mit Transfair-Siegel verramscht werden, so wie bei manchen Lebensmitteln mit dem Siegel…, dass ist dann nämlich auch unfair gegenüber den hiesigen Bio-Einzelhändler.

So long! Bis bald! Morgen, vielleicht?!

 

 

 


11.000 Liter Wasser für die Produktion einer Jeans!

Erinnert Ihr Euch an die Jeans Werbung, in der ein junger, ziemlich glatt rasierter Mann in eine randvolle Badewanne gestiegen ist mit nichts anderem am Leib als seiner Jeans?! Dazu trällert Sam Cooke „Don’t know much biology…“

Junge, dann seid ihr ähnlich alt wie ich oder habt einen Faible für alte Werbeclips – für die Frischen unter Euch, schaut mal hier, den Clip mein ich…

Wie ich darauf komme?

Nun ja, ich habe ausgerechnet, wieviel Vollbäder der Kleine nehmen könnte in dem Wasser, dass für die Produktion EINER einzigen Jeans  verbraucht wird.

78! Wenn jemand einmal die Woche ein Vollbad nimmt, kann man das fast anderthalb Jahre lang mit dem Wasser tun…

Unglaublich, oder? EINE EINZIGE JEANS braucht in der Herstellung 11.000 Liter Wasser!!!!

Da kann man lange, lange baden. Das Wasser ist dann ja auch Gott-sei-Dank weniger belastet, als in der Jeansproduktion.  Die Biojeans ist zwar gesünder, braucht leider aber auch viel Wasser, doch immerhin mit 6000 Litern schon deutlich weniger.

Mehr demnächst, ich war nämlich auf der INNATEX 34 und habe viel erlebt und viel zu berichten!

„What a wonderful world this could be!“


Schadstoffe in Textilien

Hallo, Hallo Ihr Lieben!

Wenn ich – wie nun im Herbst –  einen Pflaumenkuchen selbst backe, dann weiß ich was drin steckt!

Viel zu selten reicht meine Zeit zum backen, aber: Mein Bäcker hat eine tolle Liste, in der drin steht, was drin steckt! Und: Ich kann mich darauf verlassen, dass es Menschen gibt, die kontrollieren, dass er keine fiesen Sachen reinmacht, die eventuell schlecht für meine Gesundheit sind.

Und wie siehts bei meinen Shirts aus? Oder bei denen für kleine und große Menschen, die mir wichtig sind?

Is nicht so lecker, was da manchmal drin steckt.

Hier deshalb nun eine Beitrag über „Zutaten“ von Klamotten, den ich schon vor langer Zeit geschrieben habe und Euch nicht vorenthalten will. Auch wenn er ein bisschen heißer formuliert sein dürfte… aber Kinder, Kinder, wenn ich immer soooooo viel Zeit hätte…..

Und ich weiß, das macht keinen Spaß zu lesen. Wenn Du was anschauen willst, was Hoffnung macht, dann schau mal hier http://foodsharing.de/

Informationen zur Schadstoffbelastung von Textilien

Einsatz von Pestiziden: Die Schadstoffe, die sich in Textilien wiederfinden reichen von Flammschutzmitteln über Biozide und Formaldehyde bis hin zu Schwermetallen und Pestizidrückständen. Die Baumwollproduktion zählt zu den pestizidintensivsten Produktionsweisen weltweit. Mehr als 25% der eingesetzten Insektizide und 12% der Herbizide werden, nach Angaben der Organic Consumers Association im Baumwollanbau verwendet (http://www.organicconsumers.org/). Einige der verwendeten Chemikalien sind extrem giftig, ein Tropfen des Nervenmittels Aldicarb kann tödlich wirken. Es ist das zweithäufigste verwendete Pestizid im Baumwollanbau, stellt die Umweltstiftung Environmental Justice Foundation fest.[1] Die Menge Baumwolle, die in einem T-Shirt steckt verschlingt allein 150 Gramm Gift. Jährlich sterben 20.000 Menschen, die im Baumwollanbau tätig sind.[2] In den Produktionsländern kommt es durch den Einsatz zur Verschmutzung von Böden und Trinkwasser: Missbildungen und eine hohe Kindersterblichkeit sind die Folgen für die Menschen.[3]

Eine besonders große Gefahr für den Träger der Kleidung geht von umwelt- und gesundheitsschädlichen Farbstoffen und chemischen Weichmachern aus. Dabei ist gerade Babyhaut, die dünn und noch sehr empfindliche ist, Giftstoffen weitgehend schutzlos ausgeliefert, da die entsprechenden Abwehrstoffe noch nicht gebildet wurden. Allergische Reaktionen sind die häufigste, nicht aber bedenklichste Folge solcher Schadstoffe in Kleidung. Manche sind krebserregend, stören das Hormon- oder Immunsystem. Im Folgenden werden einige problematische Stoffe näher vorgestellt: Chemische Weichmacher sind Chemikalien, die Kunststoffen wie etwa PVC zugesetzt werden. Einer der bekanntesten und gleichzeitig bedenklichsten Weichmacher ist DEHP (Diethylhexylphthalat, kurz Phthalat). Obwohl Phthalate erwiesenermaßen fruchtschädigend und fruchtbarkeitsschädigend sind, sind sie in der EU nur teilweise gesetzlich verboten. Weichmacher kommen in Kinderbekleidung etwa in Schuhsohlen, Laufsöckchen oder auch in gummierten Applikationen auf Bodies und Stramplern vor. In Regenkleidung werden diese Stoffe oft ebenfalls eingesetzt.

Einige Farbstoffe, die auch heutzutage noch im Einsatz sind, können gesundheitsbewussten Eltern die Freude an den hübschen Farben von Baby- und Kinderkleidung verleiden, wie auch die Zeitschrift Öko-Test immer wieder feststellt. Babykleidung, die getestet wurde, hatte dabei nicht nur einen Schadstoffgehalt, der als gesundheitlich problematisch anzusehen war, sondern schlicht gegen die geltende Gesetzgebung verstieß.

Besonders problematisch sind die so genannten Dispersionsfarben, die beim Kontakt Allergien auslösen können. Seit 1996 sind die besonders problematischen Azofarben in Deutschland verboten, aber durch „Grauimporte“ (illegale oder unkontrollierte Importe) sind sie immer noch auf dem Markt zu finden Azofarben sind synthetische Farbstoffe, die sehr billig brillante Farben erzeugen. Gelangen Azofarben – zum Beispiel über die Haut – in den Körper, können sie giftige oder Krebs erregende aromatische Amine, Benzidin oder 2-Naphthylamin, freisetzen. Eine einfache Möglichkeit, diese schädlichen Farbstoffe nachzuweisen, ist jedoch leider nicht verfügbar. Wenngleich jüngere Testeinkäufe von Verbraucherschutzorganisationen in der Regel keine Babykleidung (Kinderkleidung wird allerdings öfter schon mal zurückgerufen, weil sie mit Azofarben belastet ist..) offenbaren, die mit den giftigen und verbotenen Azofarben behandelt wurden, sind andere Schadstoffe sehr wohl des Öfteren anzutreffen.

  • In manchen Stramplern wurde eine zinnorganische Verbindung (Tributylzinn) nachgewiesen. Diese Substanzen können schon in kleinsten Konzentrationen das Hormon- und Immunsystem des menschlichen Körpers schädigen und werden über die Haut aufgenommen.
  • In anderen Artikeln wurden phosphororganische Verbindungen gefunden – ein Stoff, der in größeren Mengen als Flammschutzmittel eingesetzt wird, auch in deutlich geringeren Konzentrationen aber ein Nervengift darstellt.
  • Nach wie vor – wenn auch recht selten – wurden Formaldehyde in Babykleidung identifiziert. Formaldehyde weisen darauf hin, dass das Baumwollmaterial mit Kunstharzen behandelt wurde, um ein Verknittern und Einlaufen der Kleidung zu verhindern. In Kontakt mit Haut oder Schleimhäuten können Formaldehyde Allergien auslösen.
  • Viele halogenorganische Verbindungen sind als Allergie auslösend bekannt. Bei manchen Herstellprozessen werden sie verwendet, um die Farben an die Fasern zu koppeln und verbleiben zu einem geringen – aber dennoch schädlichen – Teil in der Babykleidung.
  • Besonders häufig ist Babykleidung mit Weißmachern belastet. Diese Stoffe machen den „Weisser Riese“ – Effekt, indem sie Stoffe weißer aussehen lassen, als sie in Wirklichkeit sind. Problematisch ist, dass die optischen Aufheller nicht besonders fest an die Baumwollfasern binden und somit durch den Körperschweiß abgelöst werden und auf der Haut zu Allergien führen können.[4]
  • Nanosilber oder vergleichbare Nano Stoffe werden bereits heute in vielen Textilien eingesetzt, zum Beispiel in Socken um die Geruchsbelastung zu verringern. Nanopartikel können aufgrund ihrer Winzigkeit eine Gefahr für Umwelt und Gesundheit darstellen, zum Beispiel indem sie sich in der Umwelt anreichern und in die Nahrungskette gelangen. Auch könnte die Verwendung von antibakteriellen Chemikalien in Textilien zu weiteren Antibiotika Resistenzen der Menschen führen wie die Schwedische Chemikalienagentur befürchtet.[5]
Und nun????
Hey, ihr da oben!!!! Bitte hinhören:
Wir wollen den Mist nicht mehr! TUT WAS!


Neues Video: „Das Gift kommt zurück“

Ab heute findet ihr den Dokumentarfilm „Das Gift kommt zurück“ von Inge Altmeier bei den Videos. Der Film zeigt eindrucksvoll auf welchen Wegen des globalisierten Welthandels sich viele Chemikalien in unseren Alltag schleichen.

In Euren T-Shirts findet ihr z.B. jede Menge Sachen, die da nun wirklich nicht reingehören. 150 Gramm Pestizide landen auf der Baumwolle für ein einziges T-Shirt. Das dann natürlich noch gefärbt und „veredelt“ wird, damits im Laden gut aussieht. Leider oft auch mit ungesunden und öko-schädlichen Farben.

Wer dannach noch nicht gut genug gegruselt hat, kann ja noch den Artikel über Gift im Spielzeug lesen (1 Stunde spielen entspricht 40 Zigaretten rauchen)!!


Greenpeace stellt Bericht über Gift in Kleidung vor

Gestern hat uns Greenpeace  einen umfassenden Bericht über die Chemikalienbelastung in Bekleidung geliefert.

Danke dafür, auch wenn sich die Ergebnisse im Bericht „Giftige Garne“ furchtbar lesen und Euer trauriger Engel auf dem Foto zu eurem Bericht ganz schön hungrig aussieht. Aber ist ja auch kein Wunder Phthalate und Nonylphenolethoxylate (gefunden in ca. 2/3 der getesteten Produkte!), krebserregende Amine aus Azofarbstoffen können einem auch echt den Appetit verderben. Pfui.
Mehr aus dem Bericht gibt’s natürlich bei Greenpeace oder demnächst bei Fairkleidet.